August 1940, ein Amerikaner, angekommen mit dem Zug aus Lissabon, steigt die Treppe des Bahnhofs St. Charles in Marseille hinunter. In seiner Tasche dreitausend Dollar und eine Namensliste.
Er war für ein New Yorker Hilfskomitee unterwegs. Sein Name war Varian Fry. Wer war er, wie kam er zu diesem gefährlichen Auftrag und was hat er in den dreizehn Monaten in Frankreich erreicht?
Die Exilforschung redet von mehr als 2.000 Menschen, die er und sein Team in 13 Monaten gerettet haben. In Berlin am Potsdamer Platz ist eine Straße nach ihm benannt.
Dennoch ein vergessener Held. Fragen: wer war noch in der Gruppe mit Varian Fry in den Monaten in Marseille? Und wer war Rudolf Breitscheid? Wer Jaques Lipchitz? Walter Mehring? Wer war Hans Sahl, der sein Lebensabend in Tübingen verbrachte?
Ich habe ihn kennengelernt, bei Tee und Keksen auf seinem Sofa sitzend, bekam ich 1993 eine eigene Geschichtsstunde.
Who are you, Mr. Fry? Eine Spurensuche.
Aus wirtschaftlichen, religiösen und politischen Gründen sind Menschen schon immer auf der Flucht. Ein Menschheitsthema. Das Schicksal der deutschen und europäischen Intellektuellen Politiker*innen, Schriftsteller*innen, Künstler*innen ist nur ein Beispiel. Aber dafür ein sehr anschauliches.
Michael Giese, Diplom-Sozialpädagoge und Regisseur beschäftigt sich seit 1993 mit dem Thema Emigration durch Marseille.