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Fortbildung für Kursleitende in Integrations- und Berufssprachkursen
Synergien zwischen Sprach- und Gesellschaftspädagogik
Die optimale Verzahnung von Integrations- und Orientierungskursen ist eine konkrete Anforderung der Demokratiebildung. Menschen mit Migrationshintergrund, die am politischen Leben teilhaben, benötigen kommunikative Kompetenzen, die sie in guten I- und O-Kursen erwerben. Die gemeinsame Schnittmenge zwischen beiden pädagogischen Feldern ist größer als man auf den ersten Blick denkt. Dabei spielen Sprechakte eine zentrale Rolle. Demokratische Persönlichkeiten müssen in der Lage sein, ihre Meinungen zu artikulieren und zu begründen, die Meinungen anderer zu verstehen, gegebenenfalls nachzufragen, zuzustimmen, zu widersprechen, nach Kompromissen oder allgemeiner nach gemeinsamen Lösungen zu suchen…
Seit der Einführung der Integrationskurse gab es eine zeitliche Abfolge von I- und O-Kursen. Diese Trennung hat bis heute gute Gründe. Bestünde sie nicht (mehr), wäre die Gefahr groß, dass Kursleitende ohne gesellschaftspädagogische Affinitäten die Sprachpädagogik einfach nur um 100 UE verlängern. Die Trennung hat aber auch Nachteile, die allerdings durch das Spiel an einigen wenigen Stellschrauben beseitigt werden können. Vom ersten Tag eines Integrationskurses an ist es möglich, Sprach- und Gesellschaftspädagogik miteinander zu verzahnen. Die Lehrbücher in den I-Kursen sind dabei allerdings keine (große) Hilfe.
Mit Blick auf das Konfliktpotenzial in unseren Kursen, in denen vielfältige Faktoren wie weltpolitische Konflikte, reduzierte Formen der Identitätsbildung, aber wohl auch eine veränderte, um nicht zu sagen verschlechterte Willkommenskultur hierzulande eine immer wichtigere Rolle spielen, wünschen wir uns ein pädagogisches Setting, in dem das Prinzip der Kontroversität in Wert gesetzt wird. Auf der Grundlage dieses Prinzips lässt sich eine produktive, proaktive und auch präventive Konfliktkultur schaffen. Außerdem ist das sprachpädagogische Potenzial eines „kontroversen Settings“ immens. Darüber soll im Rahmen dieser interaktiven Fortbildung auf der Grundlage unseres Selbstverständnisses als demokratiebildende Gesellschaftspädagog*innen und natürlich einiger konkreter Vorschläge nachgedacht werden. Und natürlich auch über das Kompetenzgefälle zwischen Kursleitenden und Teilnehmenden gerade in teilnehmerorientierten Orientierungskursen, in denen die Fähigkeit zur Positionsbildung gemäß dem Curriculum oberstes Lernziel ist. Die Kompetenzen und die entsprechenden Gefälle erstrecken sich auf folgende Ebenen und Dimensionen:
Sprache
Politisches Systemverständnis
Gesellschaftliches Systemverständnis
Kulturelles Verständnis Herkunftsland
Sprachliches Verständnis und Artikulationsfähigkeit
…
Welche Macht besitzen Kursleitende, welche Macht besitzen Teilnehmende? Und wie kann diese Macht sublimiert und in eine pädagogische Produktivkraft überführt werden?